From "WienWeb", 10 Oct 2003
Karlsplatz
"Nike-Platz" ist eine künstlerische ProvokationSeit Anfang Oktober wirbelt Aufregung um das Gerücht der Umbenennung des Karlsplatzes zum "Nike-Platz". Public netbase bekennt sich am Freitag gemeinsam mit der Künstlergruppe 0100101110101101.ORG dieses provokante Projekt entwickelt zu haben. Nicht um zu täuschen, sondern um das Verhältnis von Kunst und Wirtschaft auszuloten.
Fotomontage für ein Kunstthema
"Wir sehen es als unsere Aufgabe, das Spannungsverhältnis zwischen öffentlichem Interesse und der Ökonomisierung aller Lebensbereiche zur Diskussion zu stellen" betont Konrad Becker, Leiter der Medieninitiative public netbase. Auf der Internetseite wwww.nikeground.com wurde dem Karlsplatz ein riesiges Nike-Logo, das in Wirklichkeit 36 Meter groß wäre, hineinmontiert. Botschaft des Bildes: die Stadt Wien möchte den Platz umbenennen, Nike kauft den Platz.
Proteste und Gerichtsdrohung
Dem Projekt ist die Bürger-Initiative "Öffnet den Karlsplatz" aufgesessen, die am 6. Oktober zu einem "breiten Protest gegen den Verkauf des Karlsplatzes" aufgerufen hat. "Wir wollten die Stadt zur Bühne eines Theaterstücks machen" erklärt eine Sprecherin der Künstlergruppe. Mittlerweile hat der Nike-Konzern jedoch überlegt gerichtlich gegen die Website vorzugehen.Was darf die Kunst?
Diese Gerichtsdrohung kommt Konrad Becker nicht unerwartet, für ihn ist es eine prinzipielle Frage der Kunst, wie weit sie gehen darf. "Es wird zu entscheiden sein, ob ein Großkonzern tatsächlich verhindern kann, dass Kunst und Kultur allgegenwärtige Symbole der Alltagswelt zum Thema machen können" sagt er.