From "Rebel:Art", Nov 2003
Nikeground: Rethinking Space
"You want to wear it, why shouldn't cities wear it too?" fragte im Oktober 2003 Nike. Nikeground, das neue Projekt des Sportartikelherstellers möchte eine neue, revolutionäre Vision vermitteln: rethinking space!
In den nächsten Tagen wird die Nike Infobox um die Welt ziehen, um zu verkünden, dass ausgewählte Plätze, Parks und Strassen dazu auserkoren wurden in Nikeplatz, Nikesquare und Nikestrasse umbenannt zu werden. Auf der Webseite in perfekter Nike-Ästhetik (http://www.nikeground.com) verkündet dann auch Phil Knight, der Gründer von Nike, euphorisch: "Ich hatte schon immer den Eindruck, dass sich aus irgendwelchen Gründen, die Stadtplanung und Architektur nicht so schnell entwickelt haben, wie z.B. Design und Fashion. Deshalb sehen grosse Städte auch alt aus, aus der Mode gekommen und bedrückend. Denkt an die Namen von Plätzen und Strassen, das ist doch tatsächlich die Marke einer Stadt. Politiker, die niemand kennt, alte Generäle und unbekannte Künstler: diese Namen sind doch nicht angemessen um das Lebensgefühl einer modernen Metropole wiederzugeben! Die Idee und Form des Swoosh ist bei weitem einprägsamer und auch gut bekannt bei der neuen Generation. Außerdem ist der Name Nike viel leichter zu merken, als die örtlichen Straßennamen, besonders für Touristen. Mit dem Projekt Nike Ground planen wir, die Städte mit unseren Werten und unserem Style zu umgeben, um den Menschen mehr Inspiration und Innovation zu schenken - rethinking space!"
Und damit nicht genug: Nike möchte auch noch eines der größten Denkmäler der Geschichte schaffen - einen 36 Meter langen und 18 Meter hohen Swoosh. Aus Stahl, mit rotem Gummi überzogen, genau in der Mitte des neuen Nikeplatzes.
Wien, Samstag, den 4.Oktober 2003 - die österreichische Kronen Zeitung hat die Gerüchte bestätigt, wonach der historische Karlsplatz in Wien schon ab dem nächsten Jahr in Nike-Platz umbenannt werden soll. Und die überparteiliche Bürgerinitiative "Öffnet den Karlsplatz! - Für einen Platz der Offenen Kulturen" (http://www.verkehrshoelle.at) ruft zu einem breiten Protest gegen den Verkauf des Karlsplatzes an einen Großkonzern auf und fordert von der Wiener Stadtregierung, die Entscheidung umgehend rückgängig zu machen. Dazu der Gründer Dr. Wolfram Liebig: "Die Wienerinnen und Wiener dürfen sich das nicht gefallen lassen! Die Unterstützung vieler Menschen macht uns Mut, daß wir eine solche Schande von Wien abwenden können. Wir sind jedenfalls zum äußersten entschlossen."Dann überhäufen sich die Ereignisse: Bürger sind empört, Infotelefone klingeln pausenlos, endlose Leserbriefe werden geschrieben, denn immerhin ist Wien endlich in das Verzeichnis des Weltkulturerbes aufgenommen worden - bis dann plötzlich, einige Tage später, das irritierte Dementi von Nike Österreich kommt: "Wir stellen hiermit fest, dass es sich sowohl bei der vermeintlichen Nike-Website um eine Fälschung handelt als auch die dort beschriebenen Aktionen reiner Schwindel sind. Gleiches gilt auch für den "Informationsstand", die vermeintlichen Mitarbeiter von Nike und die verteilten Flugblätter auf dem Karslplatz - ein Schwindel von vorne bis hinten."
Hinter dieser Fake steckte niemand geringerer als das italienische Kunst-Kollektiv 0100101110101101.ORG, die diese "hyperrealistischen Theaterinszenierung" in Zusammenarbeit mit der österreichischen Public Netbase, dem "Institute for New Culture Technologies", realisierte.