From ÖH, Nov 2003
Ausverkauf!
Eine generalstabsmäßig -geplante Kunstaktion sorgte Anfang Oktober für Aufregung und Kontroversen in Wien.wch
Angeblich würde ein internationaler Sportkonzern den Wiener Karlsplatz kaufen wollen, ihn in "Nikeplatz" umbenennen und dort ein 30 Meter langes Monument in Form des Nike-Swoosh aufstellen. Ein zweistöckiger gläserner Pavillion am Karlsplatz und eine Website vermittelten Hintergründe und Details, sportlich gestylte MitarbeiterInnen versorgten PassantInnen mit Info-Material zur Kampagne. Heftige Reaktionen in Bevölkerung und Medien waren die Folge, und Nike dementierte energisch.
Tage danach bekannte sich die renom-mierte Medienkunst-Truppe 0100101110101101.org zur Aktion, die das Projekt in Kooperation mit der Wiener Initiative Public Netbase umgesetzt hat. Eine der AktivistInnen: «Täglich machen wir Gratis-Werbung mit unseren Körpern, wenn wir Markenkleidung tragen. Es ist ein ganz natürliches Bedürfnis, diese allgegenwärtigen Symbole des täglichen Lebens verwenden und manipulieren zu wollen». Der Sportkonzern sah das anders und klagte. Streitwert: 78.000 Euro. «Wir sehen es als unsere Aufgabe, das Spannungsverhältnis zwischen öffentlichem Interesse und der Ökonomisierung aller Lebensbereiche zur Diskussion zu stellen», so Public Netbase. Die Nike-Klage wurde inzwischen aufgrund eines Formfehlers zurückgewiesen.