From "Krone", 6 0ct 2003

Die Wahrheit über "Nike- statt Karlsplatz"

Für großen Wirbel hat am Freitag ein Rundmail gesorgt, in dem sich die Verfasserin darüber erboste, dass die Stadt Wien den "Karlsplatz" einfach so in "Nikeplatz" umbenannt hätte. Ist da was dran? Krone.at fragte nach...

Freitagmorgen erreichte Krone.at folgendes E-Mail:

Sehr geehrte Redaktion!
Mit Erschrecken habe ich heute festgestellt, dass man den Karlsplatz in Nikeplatz umbenannt hat! Nicht nur, dass ich es an sich für eine absolut verantwortungslose und durch nichts zu rechtfertigende Vorgehensweise halte, diesem geschichtsträchtigen Ort einfach einen anderen Namen zu geben, hat man ihn anscheinend auch noch an eine großen internationalen Firma verkauft! Ich frage Sie, wo sind hier unsere Politiker?

Wenn das so weitergeht, wird wahrscheinlich demnächst der Stephans-Dom in McDonalds-Dom umbenannt und Schönbrunn an Panasonic verkauft. Dann können wir aus Österreich gleich ein Themenpark für die multinationalen Großkonzerne machen.

Tun sie was dagegen!
Susanne Bernhardt

"Mit 1000%iger Sicherheit"
Wir waren sehr überrascht, war doch die angebliche Umbenennung des Karlsplatzes spurlos an uns vorüber gegangen. Ein Gespräch mit der davon ebenfalls sehr erstaunten MA 7 brachte schließlich die Klärung: Niemand habe vor, den Karlsplatz in Nikeplatz umzubenennen. Im Krone.at-Interview versicherte der zuständige Magistrats-Beamte, dass mit "1000%iger Sicherheit" keine Umbenennung geplant sei. In seinen 30 Dienstjahren hätte er noch nicht gehört, dass Wien Straßen nach internationalen Großkonzernen benennen würde - auch wenn schon einige Firmen mit diesem Wunsch an die Stadt herangetreten wären. Er könne sich nicht erklären, wie das haarsträubende Gerücht aufgekommen sei.

Sogar Landtagspräsident Johann Hatzl sei bereits entsetzt an die MA 7 herangetreten, da auch ihn dieses Rundmail erreicht hatte.

Umbenennungen von Straßen würden seit dem Zweiten Weltkrieg nur äußerst selten vorgenommen, so der Magistrats-Beamte. Und dann auch nur, wenn zum Beispiel zwei Straßen so ähnlich seien, dass sie die Postzustellung behindern würden.